Mittwoch, 16. Dezember 2015

Relaxed & Gut
Werte vermitteln durch Lob

Wer das nicht lobt, sollte seinen Ratgeber hauen!
Meine Lütte trägt ´ihre´ Lütte Freundin im Zoo Berlin.


Loben - in vielen Ratgebern und Blogs ist das ja inzwischen die Königsdisziplin der Loser-Eltern. ´Gute` Eltern wissen, dass zu viel Lob schadet. Und dass loben überhaupt schwierig ist, denn was man lobt, kann auch schwere Komplexe zur Folge haben ("Schön, dass du deinen Teller leer isst"). Oder den Lerneifer drosseln ("Eine 3? Ich bin so stolz auf dich!").
Lieber weniger, das ist mehr - so die moderne Lobesdevise.

ICH sehe das ein bisschen anders.
Ich finde nämlich Loben äußerst praktisch als Instrument, um meiner Tochter beizubringen, was mir wichtig ist. Ich muss sie nicht korrigieren, um gewünschtes Verhalten zu erlangen. Ich muss sie auch nicht ermahnen. Ich muss ihr auch nicht ausführlich erklären, was ich warum möchte. Nein - ich halte generell einfach Ausschau nach Situationen, in denen sie mir so richtig gut gefällt. Und lobe sie dann.

Wie heute. Als Wald-Kita-Kind wird jedes Event des Jahres im Wald gefeiert, zu meinem Leidwesen. (Natur fängt für mich frühestens ab 18° C Plus an!) Heute wurde Waldweihnacht gefeiert, es gab ein Buffet und es gab Gesang und Musik, ein Lagerfeuer und Stockbrot. Waldheimische Gemütlichkeit. Meine Tochter hielt sich im Prinzip die ganze Zeit am Lagerfeuer auf. Stockbrot und Marshmallows backen - und dann unverhofft auf einen Winzling aufpassen. Ich kenne den Kleinen, seine Mama ist eine Busenkumpelin und Junior, knappe 1.5 Jahre alt, war scharf darauf mit allen Vieren ins Feuer zu stolpern. Da konnte sie so schnell gar nicht hinterher. Meine Tochter sprang sofort in Aktion und kümmerte sich fortan rührend um ihn. Sie war eine perfekte, kleine, fünfjährige Babysitterin. Als alle Anwesenden gerufen wurden, einen Kreis um die Erzieher zu bilden (Abschied & Dankesreden), stiefelte der Lütte schnurstraks Richtung Feuer. Allein! Meine Tochter kam sofort hinterher, erklärte ihm, dass er alleine nicht ans Feuer dürfe, und drehte ihn in Richtung Menge. Spontan rief ich: "Toll wie vernünftig und verantwortungsbewusst du bist!"
Das klang merkwürdig lehrmeisterhaft: Aber ich habe es ganz ehrlich gemeint. Ich war einfach echt happy und positiv beeindruckt.

Und DAS meine Lieben darf man dann auch sagen. Nicht nur sagen, man darf es lobend erwähnen!

So, wie wenn meine Tochter ihr Zimmer spontan aufräumt (und aufhübscht) und uns dann an der Hand hineinführt. Wenn wir Eltern dann gucken dürfen, staunen wir und loben: Wie viel Mühe sie sich gegeben hat, welche tollen Einfälle sie umgesetzt hat, dass sie schon so toll aufräumen kann. Verziehe ich mein Kind damit? Nein! Wirkt sich das negativ auf ihre Leistungsbereitschaft aus?
Nein (siehe freiwilliges Kinderzimmeraufräumen ;-)).
Nein - was mein Kind durch mein lobendes Feedback besser lernt, als wenn ich es ständig ´erziehe´ ist, welche ihrer eigenen Verhaltensweisen sie beibehalten kann! Sie lernt auch gleich noch etwas anderes, und zwar für ihr Selbstbewusstsein: Ich finde gut, was sie tut! Sie muss nicht tun, was ich ihr auftrage, um Lob zu bekommen. Sie tut einfach, was ihr einfällt - und ab und an fallen dabei Lob und Anerkennung ab.
Wie ihr lest, halte ich wenig davon mit Lob zu knausern. Wenn wir das gegenwärtige ´So-Sein´ unserer Kinder positiv bemerken, werden wir dieses ´So-Sein´ in die Zukunft verlängern.

Außerdem kann ich so ganz leicht deutlich machen, welche Werte ich wichtig finde.
Wenn sie sich um ihren kranken Papa kümmert, lobe ich ihre Achtsamkeit und Fürsorge.
Wenn sie sich grade noch gelangweilt geäußert hat und dann plötzlich einen tollen Einfall hat, lobe ich ihre Kreativität und wie gut sie geschafft hat, sich selbst aus der Langeweile zu holen.
Wenn sie spontan aufräumen hilft, bedanke ich mich bei ihr und lasse sie wissen, wie sehr mich ihre Hilfsbereitschaft und Unterstützung freut.
Wenn sie teilt (und das tut sie nicht gern!), dann lobe ich, dass sie sich überwunden hat und was für eine gute Freundin (und Tochter) sie ist. (Mit uns muss sie auch mal teilen....Ü-Eier zum Beispiel).
Wer bei Lob an "Du bist so schön, du bist so toll" denkt, kriegt halt einen Anton aus Tirol.
Wer´s so macht, wie ich - und andere Elternlob-Checker - der kriegt einfach nur ein tolles Kind!
Garantiert! 

Kommentare:

  1. hey das sehe ich wie du - ich LOBE auch gaaanz viel und wir sind alle happy damit ;-)

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  2. Ich sehe das komplett anders und habe bei Deinem Beitrag das Gefühl, dass Du Dich mit den Gedanken über das Nichtloben noch gar nicht auseinander gesetzt hast, sondern nur pauschal beschlossen hast: Na das finde ich aber doof.

    Warum lobst Du das aufräumen? Doch nur, damit sie es möglichst immer wieder tut. Das ist keine Wertevermittlung, sondern Manipulation. Ordentliche Kinderzimmer sind kein Wert.

    Kennst Du die wissenschaftlichen Studien dazu? U. A. dass Kind, die für ihre Hilfsbereitschaft gelobt werden, immer weniger hilfsbereit werden?

    Ich mach es nicht so wie Du und habe trotzdem tolle Kinder ;-).

    Liebe Grüße
    Danielle

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  3. Hi Danielle,

    vielen Dank für deinen Beitrag. Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht. Ich habe sogar Bücher dazu gelesen. Und als Amerikanerin kenne ich im Verhältnis zur - von mir so empfundenen - deutschen "Wenig-Lobkultur" die amerikanische "Über-den-Klee-Lobkultur".

    Klar lobe ich Dinge, von denen ich hoffe, dass sie sich wiederholen.
    Und Ordnung ist für mich schon ein Wert - so, wie für andere vielleicht alle Regeln des Knigge, oder allgemeine Aufgeschlossenheit usw. Ich glaube, man kann jemandem seine Werte nicht vorschreiben, das empfindet ja jeder anders. Was die Kinder als Erwachsene draus machen ist ja ihre Sache: Wir sind ja (vermutlich) auch keine Abziehbilder der Vorstellungen unserer eigenen Eltern geworden ;-)

    Ja, ich kenne viele Studien und zwei Doktorarbeiten zu dem Thema - eher zufällig, weil meine Kitafreundin über das Thema Motivation in der Jugend - und Kinderpädagogik eine Doktorarbeit schreibt. Da liegen auch die ganzen Bücher dazu rum. Sie und ich sehen das übrigens nur rein theoretisch ähnlich, wir machens aber ganz unterschiedlich.

    Und wir finden unsere Kinder auch beide ganz toll.

    Schön, dass du deine Kinder auch toll findest: Das ist für ein Kind eh die beste Grundlage! Fans als Eltern zu haben.

    LG

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