Dienstag, 22. Januar 2019

Menschen in Not helfen, die Umwelt retten: Es kann so einfach sein!

A Bleistift for Everyone unterstützt und baut Schulen.
Kleinstspende= ein Bleistift. Großspende = Was Du übrig hast!

Jeder möchte gern etwas bewegen in der Welt

Wer hat das nicht schon gedacht? Durch die Nachrichten stehen wir täglich unter Beschuss, die wir in unserem Wohlstand und Komfort selten echte Nöte oder Ängste auszustehen haben. Andernorts sehen einstmals blühende Hafenstädte, wie Latakia in Syrien, aus, wie ein Schlachtfeld - weil es eines ist. Andernorts vertrocknen Flüsse und Seen, verbrennen Tiere durch Brandrodungen, verhungern Kinder, sterben Menschen mangels sauberen Wassers, Medikamente und mangels Bildung.
Man möchte zu gern auch etwas Gutes tun. Seinen Beitrag leisten. Die Welt verändern.
Aber wie?


Große Pläne, kleine Schritte

Die Vision muss man haben: Eine bessere Welt. Der Realismus holt einen jedoch schnell ein und macht klar - die Welt ist zu groß, um von Dir allein gerettet zu werden. Muss man deshalb aufgeben, die Hände in den Schoß legen? Nein. Muss man deshalb erfinderisch werden, Wasserpumpen entwickeln, Brunnen graben, Flüchtlinge aufnehmen, sein Vermögen in Hilfsprojekte stecken? Nein. Wir müssen die Welt nicht verändern, in dem wir über die Grenzen des (individuell) Machbaren hinausgehen. Kleine Schritte zählen. 

Auf den Schultern von Riesen

Ich habe immer davon geträumt, irgendjemanden zu retten. Früher einmal wollte ich Ärztin werden, Krebs heilen, Chirurgin sein, Entstellungen korrigieren. Leider habe ich nicht das Zeug dazu, was mir während der Ausbildung schnell klar wurde: von Blut wird mir schlecht, Gewebeflüssigkeit anderer Menschen macht mich krank, ich habe ständig Panik mich anzustecken, ich kann Leid nicht sehen. Meine großen Träume platzten alle in einem ganz kleinen Rahmen: Ärztin adé, scheiden tut weh (tat es echt!). Dann kam ein 'kleiner Riese' in mein Leben - und ich konnte von dessen Schultern aus etwas bewegen.


Helfen kann so einfach sein

Inzwischen weiß ich, dass Helfen einfach ist. Ich muss das Rad nicht neu erfinden, um jemanden von A nach B zu fahren. Analog dazu muss ich UNICEF nicht gründen, um es zu unterstützen. Ich muss auch keine Suppenküche öffnen, um Hunger zu bekämpfen. Und ich muss auch nicht nach Afrika fliegen, um dort Projekte zu finden, an denen ich mich helfend beteiligen kann. Das machen viele andere Menschen und Unternehmen. Menschen, wie Maren Reisner. Sie wollte mit ihrer Familie "nur" eine Weltreise machen, und kam zurück mit dem Wunsch, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Sie fand unterstützenswerte Projekte vor Ort, in Pakistan und Tansania, und schaute ganz konkret: Was brauchen die Menschen, die Kinder, dort? Welche Angebote gibt es bereits? Und was kann ich tun?
Maren kann Filme machen und sehr gut erzählen. Mit ihren Filmen und ihren eindrücklichen Schilderungen der Erfahrungen, die sie auf ihrer Weltreise gemacht hat, sammelt sie Geld, das sie nach Afrika und Asien schickt, um dort ausgewählte Projekte zu unterstützen. Die Sanierung einer Schule. Den Bau einer neuen mobilen Schule. Maren macht das - und inzwischen mache ich mit.
Ich schreibe, denn das kann ich. Und ich verbreite die Kunde. Und ich unterstütze Maren da, wo sie meine Unterstützung gebrauchen kann. Plötzlich bin ich Teil eines Projekts, das sich für Bildung und das Erreichen von Bildungszielen weltweit einsetzt. Toll!
Es ist wirklich einfach - so, wie die "Kinoabend-Spende" an das World Food Program, dem ich den Betrag eines in diesem Monat nicht stattfindenden Kinoabends überlassen habe. Warum auch nicht? Wir verzichten einmal auf unseren Kinoabend und essen einen Abend nicht auswärts, und von diesem Geld kann eine ganze Familie im Yemen einen Monat lang ernährt werden. Toll - und gar nicht aufwendig.


Machst Du mit?

Möchtest Du Dich auch beteiligen, möchtest Du auch helfen? Dann empfehle ich Dir Folgendes - wenn Du keine Maren Reisner in Deinem Leben hast, die Du persönlich unterstützen kannst, dann gehst Du Online auf die Suche nach Projekten, die Du unterstützenswert findest.

www.ableistift.de
www.wfp.org/de
www.unicef..de

www.greenpeace.de

Und so weiter. Die Liste ist endlos lang. Wenn Du mehr möchtest, als einfach nur ein 'gutes Gefühl' etwas getan zu haben, dann druck Dir doch Deine Spendenbestätigungen aus und sammle sie in einer Mappe. So hast Du nicht nur ein Andenken an all das Gute, das Du unterstützt hast, sondern auch etwas Haptisches, das Deine Hilfe sichtbarer macht.

Ich freue mich, wenn ich Dich anregen konnte, Dein ganz eigenes Hilfsprojekt zu finden, das Du unterstützen magst!

Helfen kann so einfach sein - warum tun wir es dann nicht viel öfter?









Foto: Copyright @ ableistift.de

#ableistift #unicef #worldfoodprogram #greenpeace #givingishelping #give #donate #help #healtheworld

Mittwoch, 16. Januar 2019

Deutsche Leitkultur?
Eine etwas andere Perspektive

Da hat Uroma gejubelt! Und Uropa hat stramm gestanden! Bessere Zeiten?

Die Wahrheit über die Deutsche Hochkultur oder
Wie wir einander begegnen wollen
frei nach dem Motto "Das Volk trifft keine Schuld"


Wenn den Deutschen so begegnet worden wäre, wie den Syrern heute vielerorts begegnet wird, oder den Türken, den Arabern, den Russen, den Chinesen, den Palästinensern, den 'Afrikanern' (man ist zu faul, Länder zu nennen/ kennen)  - dann hätten nach dem 2. Weltkrieg alle Länder ihre Grenzzäune hochgezogen und gesagt:

"Also mit einer 'Kultur', die so etwas zulässt, wollen wir nichts zu tun haben. Das muss ja Genetik sein, so etwas gibt es doch andernorts gar nicht. Wir müssen unsere Frauen und Kinder vor den Barbarischen Teutonen schützen. Wir sollten keine Geschäftsbeziehungen zu ihnen haben. Wenn sie bei uns einreisen, Asyl suchen, ja im schlimmsten Falle noch ein Leben aufbauen wollen, wohlmöglich ihre ganze, barbarische Familie mitnehmend, dann können wir unserer Kultur adieu sagen. Dann sind wir verloren. Eine 'Kultur', die das zulässt, nein, da braucht man auch kein Mitleid haben, denen braucht man nicht helfen, die haben sich das selbst eingebrockt. Also wer so mit seinen Nachbarn, mit Kindern und Behinderten umgeht - grauenhaft! Solche Menschen wollen wir nicht in unserer Mitte haben. Gott bewahre- nachher vermehren die sich noch hier!"

Es wurden aber keine Grenzzäune hochgezogen. Und es wurde auch nicht 4 Jahre lang auf der halben Welt diskutiert, wie man 'das deutsche Übel' eindämmen, ja 'in Deutschland lassen kann' (wo es hingehört...?). Komischerweise wurde das 'schwarze Schaf' der weißen Familie eben nicht von allen fallen gelassen. Im Gegenteil. Obwohl dieses barbarische, grausame, unerbittliche, systematisch vernichtende, gnadenlose 'Völkchen' in weniger als 50 Jahren zwei furchtbare Kriege geführt hatte, mit einer Grauenhaftigkeit, die an IS-Gebahren grenzt - trotzdem wurde es nicht ausgegrenzt.

Verzeihung & Entschuldigung? Angenommen!

Ja, dem Deutschen wurde seine Abartigkeit verziehen. Das Volk 'wusste' nicht, 'niemand konnte das ahnen', es war ja auch 'nur' in den letzten Jahren 'so schlimm' und so weiter...Damals hat nicht die ganze Welt jahrelang von einer 'deutschen Unkultur', von einer 'von menschenverachtenden Ideologien komplett fehlgeleiteter Gesellschaft, die sich nie ändern wird' gesprochen. Unsere Genetik wurde nicht in Zweifel gezogen, wurde nicht von Regierungsmitgliedern anderer Länder hinterfragt. Nein - man hat den Deutschen zugetraut, dass in ihnen irgendwo ein Kern 'Guter Mensch' zu finden sein muss.

Um noch drastischer zu werden, könnte ich jetzt ein Paar Bilder teilen - wie der politisch engagierte Deutsche damals mit Menschen umgegangen ist. Hinrichtungen von Staatsfeinden (auch Enthauptungen, by the way...), körperliche und seelische Folter von Behinderten und Homosexuellen, ja - sogar Frauen, sogar Babys - nicht zu vergessen die vielen Vergnügungszentren für eine Vielzahl lupenreiner deutscher Sadisten ("Arbeitslager"), wo neben höchst dubioser Laborversuche auch Grausamkeiten widerwärtigster Natur an der Tagesordnung waren.

Trotzdem...

Aber - also mit den Muslimen, also den Syrern, und den Somaliern, und den Arabern und.... also mit denen wollen WIR NICHTS zu tun haben...weil das sind ja Menschen, die sind von Natur aus grausam. Die haben ja nicht unsere Kultur, die kennen das ja nicht, Gleichberechtigung und so...
Wir schon.
Also das Gutmenschentum, nein, das Bessermenschentum, das ist uns sozusagen in die Wiege gelegt worden. Könnt ihr jeden 60+-jährigen Fragen, was er für vorbildliche Eltern und Großeltern hat. Ja, aus was für überhaupt vorbildlichen, Hochkultur-gleichen Verhältnissen er/sie stammt.

Ja...fragt die mal.
Werdet ihr aber staunen.
Über die "Hochkultur", der die heutigen Deutschen entstammen.


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Fühlst Du Dich als Deutscher angegriffen?

Unter Generalverdacht gestellt?
Fallen Dir lauter gute Deutsche ein, die anders gewesen sind...?
Kennst Du persönlich eine Vielzahl von Deutschen, die nicht in das Schema "N" passen?
Möchtest Du am liebsten ausführen, wie es damals 'wirklich' war?


Schön! 

Dann habe ich mein Ziel erreicht. 
Ich fühle mich auch oft angegriffen. 

In meinem Nicht-Deutsch-genug-sein für die einen. 
Aber auch in meinem Stolz eine Deutsche zu sein. 
Ich habe auch das Gefühl, dass immer nur Teilaspekte angeguckt werden, das große Bild wird genauso ignoriert, wie die Geschichten vieler Individuen.
Ich fühle mich angegriffen, wenn meinem Anderssein mit Angst und Skepsis, oder Verachtung und Arroganz begegnet wird. 
Ich bin eine Deutsche. Aber auch eine von Vielen. 
Im wahrsten Sinne des Wortes. 

Ich und meine türkischen, kongolesischen, polnischen, somalischen, pakistanischen, persischen, argentinischen, amerikanischen, vietnamesischen, russischen usw. Freunde und Bekannte, Familienmitglieder und Kollegen, wir wollen als Individuen betrachtet und ernst genommen werden. 

Wir sind keine Viren, kein Teil einer gefährlichen Epidemie.

Wir sind Menschen!















Foto 

Attribution-ShareAlike 3.0 Germany (CC BY-SA 3.0 DE)


Montag, 17. Dezember 2018

Weihnachten in der Patchworkfamilie


Neues Jahr, neues Glück: Weihnachten ist nicht nur in Familien mit zu vielen Omas und Opas ein Fest, das viel Diplomatie erfordert. Auch und insbesondere in Scheidungsfamilien gehört Weihnachten neben (Kinder-) Geburtstagen zu den heiß diskutierten und nicht selten zu Kriegsschauplätzen ausartenden 'hohen Feiertagen'.
Auch bei uns bestimmte bis zur Volljährigkeit unserer Kinder ihre Mutter "Die Kinder gehören Weihnachten zu mir". Die ersten zwei Jahre hat mein Mann noch vorsichtig angefragt, ob er vielleicht die Kinder - vielleicht im jährlichen Wechsel - am Heiligabend bei sich haben könnte.
Nein: Undenkbar.
Wie auch bei Trump versus dem Rest der Welt, bedarf es da geschicktem Dealen, um doch mit weihnachtlicher Stimmung in die Feiertage zu starten.
Wir haben meines Erachtens den mega 'Trade-Deal' eingeführt - und er ist besser, als ich es mir hätte träumen lassen. Wir feierten also nie mit den Kindern am 24.12. Weihnachten.
Wir führten stattdessen amerikanische Weihnachten ein. Wir definierten alles um.
Bescherung gab es erst am 25.12. Das hieß, dass die Kinder am 25. früh zu uns kamen (einmal sogar gleich am 24. abends) und: BLIEBEN. Wir hatten besinnliche Tage mit unseren Großen, und als der kleine Nachwuchs dazukam, wurde aus dem amerikanischen Ritual eine reine Freude. Wenn morgens die kleine Motte quietschend durch die Wohnung hüpfte, und ihre großen Geschwister holte, weil der Weihnachtsmann des Nachts Geschenke gebracht hatte - es berührte uns sehr. Wir baten nie wieder um den Heiligabend - denn das hätte gehießen, die Kinder schon am Abend oder am nächsten Morgen ziehen lassen zu müssen. Wie schade. So konnten wir viele Weihnachten in Folge ein paar Tage in besinnliche Gefühle eintauchen, haben gemeinsam Freunde und Verwandte besucht, und es ging überhaupt nicht darum "Weihnachten runterzureißen, um zum nächsten Termin zu hecheln" - sondern um das Geschenk gemeinsam verbrachter Zeit.
Ganz besonders an Weihnachten haben wir gelernt, dass das Umdefinieren von unseren Prinzipien oder Idealen im Patchwork nicht nur notwendig ist: Es kann auch Tür und Tor für NEUE und ÜBERRASCHEND SCHÖNE Veränderungen öffnen.
Wer am Immergleichen festhält, hat die Hände nicht frei für Neues.

In diesem Sinne wünsche ich euch Stieffamilien und anders im Weihnachtsstress Versinkenden:
Starke Nerven, den Mut neue Wege zu gehen und ein FROHES FEST!


P.S.
Wer noch ein Geschenk für seine starke, wundervolle Partnerin und Stiefmutter (in spe) sucht: Für kleines Geld könnt ihr MEIN BUCH mit kurzen, aber wertvollen Tipps (ja - ich habe mich bemüht euch NICHT zuzutexten!) und Erfahrungswerten aus meinem Stiefmutterleben HIER oder HIER erwerben. Wie man mit Lügen (POR-NO!, Drogenbefürwortung usw.), Diebstahl, Langeweile oder einem Partner, der den Kindern alles durchgehen lässt, umgehen kann. Das Buch ist ehrlich, auf einem ganz freundschaftlichem Du-zu-Du-Level und will nicht klüger oder scharfsinniger daherkommen, als andere Ratgeber. Einfach nur entspannter. Und lustiger. Und stolzer. Wie der Titel sagt:

RELAXED & STIEFMOM




Ich freu mich, wenn es euch gefällt!

P.P.S.
Fotocredit goes to Pexels, Fotografin Flynn >> https://www.instagram.com/flynn.mayc/

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Rechtsruck in Deutschland: Hatten wir das nicht hinter uns gelassen?

Der falsche Weg © www.pexels.com

Hatten wir 'das' nicht hinter uns gelassen?

Eine Theorie über die oft übersehene Antriebskraft hinter dem Rechtsruck in Deutschland und Europa und über die Auflehnung gegen 'das Moderne'


In den Polstern des dualistisch-humanistischen Gedankenstuhls sitzend, Geräte bedienend, von denen wir wissen, dass sie uns allenfalls die kommenden fünf Jahre begleiten werden, bis bessere, smartere, komplexere die Märkte, und damit unser Leben, beherrschen werden, rätseln wir, die wir uns als modern, weltoffen, kultiviert und belesen empfinden, wie es zu den Phänomenen PEGIDA, AfD, Trumpismus, Russlandphilie, Brexit und dergleichen kommen kann. 

Kleidete sich der neue Rechtsnationalismus noch vor etwas über einem Jahr geschickt in die kritische Auseinandersetzung mit vermeintlichen Verfehlungen des Rechtsstaates und der Wahrung der per Grundgesetz vorgegebenen gesellschaftlichen Ordnung, schlicht: in das Pochen auf erzkonservative Werte, starrt uns heute - nicht nur in Deutschland, sondern global - der nackte Fremdenhass blank ins Gesicht, unverhohlen und schnörkellos, nicht einmal um Charme und die Etikette des Anstands bemüht. Innerhalb eines einzigen Augenblicks steht er da: aus Ruinen auferstanden, von deren Existenz wir nichts wussten, da wir annahmen es seien inzwischen nicht einmal mehr Grundsteine dessen vorhanden. Hatten wir ihn nicht umfassend bekämpft, mühevoll mit den Instrumenten der Aufklärung und Selbstreflexion in Angriff genommen und Stück für Stück demontiert? Hatten wir Ideologien und Fanatismen nicht gestern noch gesamtgesellschaftlich unser Misstrauen entgegengebracht, sie mit einer gesunden Portion erfahrungsdurchtränkter Skepsis und kühler Berechnung in ihre Schranken gewiesen? 

'Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, 
blickt der Abgrund auch in dich hinein.'
Friedrich Nietzsche


Die einwandernde Gewalt 'marodierender Horden', vor der die PEGIDA Demonstranten warnen; der Terror, den die Buddhisten in Burma fürchten; der Verfall unserer Werte, den der Islam mit seinen immigrierenden Fanatikern mit sich bringen soll: diese und andere Schrecknisse mehr produziert die Furcht vor ihnen nun vielerorts selbst. Die gesellschaftliche Ruhe, die nicht exogen gestört werden sollte, wird nun endogen und mit ungeheurer Kraft gestört: Die Angst hat das Schwert geschmiedet, das nun gegen die Angst selbst, welche eine Unbekannte ist, geführt wird. Wen fürchten wir heute mehr? Den Unbekannten, der im Stillen ein Unheil plant, oder den Wohlbekannten, der ganz offen zu Unheil aufruft? Wie der Muezzin, der die muslimische Gemeinde zum gemeinsamen Gebet aufruft, so rufen nun auch im Abendland Führungspersönlichkeiten ihre Gemeinde auf zur gemeinsamen Tat, zum gemeinsamen Appell, ja, zum gemeinsamen Glauben. Unsere Vergangenheit hat ihre Schatten abgeworfen, die Geschichte macht keinen Eindruck mehr: man ist heute auch HIER vereint im Glauben - nicht im Wissen.

Warum?


Das gesellschaftliche Leben, das wir kennen, ist gefährdet. Das friedlich-ignorante Mit- und Nebeneinander ist in Schieflage geraten. Eine Vielzahl von Bürgern fühlt sich nicht mehr sicher: aber NICHT wegen des Islam. NICHT wegen einer großen Zahl immigrierender Flüchtlinge und Glückssuchender, die in Europa stranden, während sie andernorts immerhin für Schlagzeilen sorgen. Sondern weil die Vergangenheit verdrängt, die Lehren die wir aus ihr ziehen wollten, vergessen worden sind. Sie fürchten die Menschen, die das Feuer der Angst schüren, die die Gunst jeder noch so dunklen Stunde nutzen, um etwas zu implementieren, das nur mit Gewalt erreicht werden kann: die Vergangenheit. Die Vergangenheit, in der das Feindbild klar, die Rollenverteilung eindeutig, die Zukunft berechenbar, die Gegenwart beherrschbar, das Einfache gut war. 

Während wir die Wahl hatten den Terror von außen zu fürchten, bleibt uns keine andere Wahl als den Terror von innen anzuerkennen. Denn er jagt unlängst durch unbescholtene Städte. Er marschiert und versammelt sich. Die Reben der über ein Jahrzehnt hartnäckig verbreiteten Lehren der Höflichkeit und gegenseitigen Rücksichtnahme sind scheinbar niedergebrannt. Bis hin in den politischen Diskurs herrscht ein rauer, radikaler, bisweilen würdeloser Ton, der mit der Durchschlagskraft einer geschwungenen Axt schwere Verletzungen der Menschenwürde verursacht. Das Streben nach einer besseren Gesellschaft scheint nahezu vom Sockel unserer hehren Ziele gestoßen, während das Ideal "Wir lassen uns nicht verbiegen und verändern, wir bleiben wo und wie wir sind" sich auf dem Olymp der Zivilisation einen Platz sichern will. Teilen, Empathie, Nächstenliebe, 'Knigge', ja die Wahrung christlicher Werte, alles wird teils rational, vor allem aber emotionell-national, beiseite geschoben, für ein schwer nachzuvollziehendes Wir-Gefühl, das derart von Frustration und Wut und Hoffnungslosigkeit und Angst und Pessimismus genährt ist, dass es niemanden verwundern sollte, wenn ihre Entfesselung Formen von der Öffnung Pandorras Büchse annehmen wird. 

Aber WARUM? Woher kommt das? Wogegen wehren sich denn unsere Mitmenschen, unsere Nachbarn, so sehr, dass sie ihre Gegner entsorgen wollen? Vernichten?

"[...] you´re one election away from losing everything you´ve got." 
President Donald Trump, 27.08.2018/ WH


Eine Antwort darauf bietet vielleicht die Betrachtung der Zumutungen, die wir alle im Verlauf des letzten Jahrzehnts hinnehmen mussten. Nicht der Blick auf das Wachstum der Scherenöffnung zwischen Arm und Reich war es, der der Politik hätte Sorgen machen sollen, sondern die exponentiell und fast explosionsartig wachsende Kluft zwischen den Menschen, die in der Gegenwart und denen, die in der Zukunft leben. Wer 2008 noch nicht auf den fahrenden Zug in Richtung Smartphone, Political Correctness, Klimawandel & Co. aufgesprungen war, dem ist in puncto Elektromobilität, LGBTQ und Smart-Apps heute erst recht alles entglitten. Die Überforderung durch die Anforderungen dessen, auf was sich der 'neue Mensch' einstellen soll, hat ihren Beitrag zu unserer unglaublichen Gegenwart beigetragen. Der allgemeine Ruf nach 'Digitalisierung' und dem 'perfekten Menschen', der sich selbst in all seinen Potentialen im unbedingten Einklang mit der Umwelt verwirklicht, die allgemeine Technologiehörigkeit, nebst den öffentlichen Skandalen um verbotene Blicke und verjährte Berührungen:  all dies beruht auf Anforderungen, denen viele (noch) nicht gewachsen sind. 
Man bemerkt es etwa an den realitätsfernen Gegenthesen gegen aktuelle Themen wie 'Erneuerbare Energien' oder 'Elektromobilität'. Die Argumente, auf denen diese beruhen, sind häufig veraltet. In puncto Klimawandelskepsis wird immer noch mit Zahlen aus Zeiten Al Gores gearbeitet, welche längst überholt sind und, mit Blick auf die große Anzahl neuer verfügbarer Studien und Fakten, auch ausgedient haben.  Man spürt es, wenn die Erfahrungsberichte Mutiger #MeToo-Opfer in Zweifel gezogen werden. Man erlebt es dort, wo beharrlich auf eine Aufteilung in Frau und Mann, und Mutter-Vater-Kind-Familien bestanden wird. Die Genderstudien werden als Humbug verworfen, frustriert wird gegen Errungenschaften aus eben diesem Forschungsbereich angekämpft - selbstredend übersehend, dass Elterngeld, Vaterzeit, die Anpassung der Löhne uvm. zu diesen Errungenschaften gehören. Dass der Charme unserer Gesellschaften bei allen exogenen Herausforderungen eben jene Bemühungen um besondere Formen der Rücksichtnahme und des taktvollen Miteinanders ist: geschenkt! Egal! 
Es ist - in kurz - viel zu anstrengend geworden diese Art 'guter Mensch' zu sein.
Der, der sich für seine unveränderten Ess- und Kaufgewohnheiten schief angeschaut fühlt, der Homosexualität für unnatürlich hält, der schon die Debatte um Diesel und Benzin für enervierend hält, jetzt also auch noch Ökostrom?, der keine Lust hat über jeden Satz und jedes Wort und jede Äußerung nachzudenken, bloß um niemandes empfindliche Seele zu verletzen, dem die ständige Bitte danach, auch an die Herkunft seiner Kleidung und die Abholzung des Regenwaldes zu denken, zu viel und zu weit weg ist, diesen Menschen hat die rasende Entwicklung unserer sich stets erneuernden Anspruchshaltungen, ihn haben WIR, erst abgehängt, dann erbost. Er fühlte sich nicht nur von der Politik abgehängt, sondern von der Gesellschaft, in der er lebt. Ist das überhaupt noch seine Welt? Wie findet man sich zurecht, wenn es so viele Nutzungsklauseln und Umgangsregeln und jährliche Neuentwicklungen zu beachten gilt? 
Kann man nicht einfach mal Bauchschmerzen nach dem Essen haben? Muss es gleich eine Glutenunverträglichkeit sein? 

Die Sättigungsstufe ist erreicht. Ein Teil unserer Mitmenschen hat genug. Des Guten zu viel. Mehr wollen, mehr brauchen sie nicht. Ihre Frustration wandelt sich in Ablehnung. 
Während 2014 maßgeblich die Politik 'abgelehnt' wurde, gehören nun selbst ehemals geschätzte politische und demokratische Institutionen zum Schuldkreis, die technokratisierte Bildungselite steht auch wieder im Fadenkreuz, nebst dem vermutlich in einer ungewissen Zukunft zusätzlich für Unruhe sorgenden Ausländer, der hier - man hat ja schon genug eigene Probleme - höchst unerwünscht ist.

Kein Wunder also, diese ungebrochene Begeisterung für Donald Trump & Co. Der macht es richtig. Der lässt sich nicht verbiegen. Der lässt sich nicht zu einem 'Bessermenschen' machen. Der wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die 'Fesseln des Gutmenschentums', gegen die Anwürfe und ständigen Pingeligkeiten aus den Reihen der Oberkorrekten. Wie erfrischend und ermutigend einen Präsidenten zu haben, der genauso wenig Wert auf Etikette legt, wie der Bürger, den wir übersehen haben. Dann lehnt ihn eben der Intellekt ab - ist das nicht ein Zeichen dafür, dass es ihm genauso geht, wie dem recht rücksichtslos Zurückgelassenen? Die Verschwörung gegen Trump ist doch ein Zeichen dafür, dass die Welt verrückt geworden ist - nur, weil ein Präsident den Klimawandel in Zweifel zieht und nichts von Transsexuellen - im Militär, aber sicher auch allgemein - hält, wird er zur persona non grata? Und sind es nicht wirklich die Ausländer, die die ganze Kriminalität ins Land bringen? Wie soll man sich schützen, wenn nicht mit drakonischen Maßnahmen? Reden bringt doch nichts, das hat die Vergangenheit bewiesen: diese Leute  brauchen Schranken, notfalls einen Schuss vor den Bug, eine klare Sprache! Wer weiß das nicht besser, als der, der selbst eine klare Sprache braucht und keine Lust hat sich an die neu-gesellschaftlichen Normen anzupassen. Geht es bei der Frage darum, wie sehr sich der Fremde überhaupt integrieren kann, nicht auch inzwischen darum, wie sehr sich der Hiesige tatsächlich integriert fühlt? 

Der Zuspruch, den Putin, Erdogan und Trump genießen, ist kein selbstloser. Wenn sie fallen, die mobbenden, rücksichtslosen, sich in der Zeit rückwärts bewegenden, die Moderne demontierenden Machthaber, dann fallen alle. Alle, die nicht wollen, was von ihnen verlangt wird:
Ständige Anpassung. Ständige Verbesserung. Ständiges Nachdenken, Überlegen, Reflektieren. Ständiges Empathie zeigen. Teilen. Geben. Abgeben. Personal Improvement - zu deutsch "Persönliche Weiterentwicklung".

Es denkt, wer zu ihnen gehört: 
"Darf ich nicht so bleiben, wie ich bin? Was stimmt nicht mit mir? Warum ist an mir alles falsch? Warum ist an den Muslimen irgendetwas besser als an mir, warum stellen sich die Linken, die Modernen, die Gutmenschen auf ihre Seite? Ich stehe hier, als einer aus denselben Reihen, und habe niemandem was getan - warum bin ich nicht gut genug? Warum wird auf mich herabgeblickt, vielleicht noch mit Mitleid oder Verachtung? Ich will euer Mitleid nicht, ich will eure Verachtung nicht: Ich will Respekt. Denselben Respekt, den ihr Flüchtlingen, Solarenergie und Elektromobilität gegenüber habt. 
Und solange ich nicht respektiert werde, solange schubse ich mir den Weg frei. Oder lasse schubsen. Meine Stimme gehört...Trump. Der AfD. Putin. Erdogan. Denen, die euch mit aller Macht eure Grenzen zeigen. Die euch und eure Gedanken und Theorien herausfordern. Ich genieße es, diesem Machtkampf zuzusehen. Sie kämpfen meinen Kampf auf internationaler Bühne. Ganz öffentlich." 

Und während wir uns fragen, weshalb unsere Wahrheit nicht gesehen wird, weshalb Fakten keinen Stellenwert haben, wie Erkenntnisse und Errungenschaften aus dem letzten Jahrzehnt ausgeblendet und negiert werden können, wächst der Widerstand gegen uns, je mehr seine Wirkkraft bedroht ist. Der blinde Fanatismus ist plötzlich gerechtfertigt, solange er in Konsequenz 'die Richtigen' trifft. Die Methoden der Linksextremen dürfen nun auch von den Rechtsnationalen genutzt, die Verrohung von Sprache und Umgangsformen, die verbale Entsorgung und Hinrichtung Andersdenkender und sogenannter Gefährder ist kein Tabubruch, sondern 'notwendig'. 
Wer weiß? Vielleicht wird der Sturz eines Donald Trump die gefürchtete Büchse öffnen - vielleicht wird sich der Sturm dann entfesseln, wenn es nichts mehr zu verlieren gibt, wenn der Kampf verloren, der Stiernacken des Althergebrachten gebrochen ist. 

'Wenn der Hass feige wird, geht er maskiert in Gesellschaft 
und nennt sich Gerechtigkeit.'
Arthur Schnitzler


Die Frage ist schlussendlich: Wie wollen wir wieder eins werden?
Klar ist: Einigkeit finden wir nicht über die Beschleunigung, nicht in Eile, nicht durch Behelfsmäßigkeit und potemkischen Kulissenbau. Wir brauchen alle ein gesellschaftliches Fundament, auf dem wir in Respekt neben- und miteinander existieren können. Jede Familie hat Platz für Adoptivkinder, wenn die vorhandenen Kinder sich erwünscht fühlen. Jede Gesellschaft hat Raum für Neues, wenn das Alte dafür nicht weichen muss. So sehr wir also unsere Energien in die Zukunft investieren, im berauschenden Wirbel des höher-weiter-schneller steckend, sollten wir nicht außer Acht lassen, dass die Zukunft, die wir uns wünschen, nur Bestand haben kann, wenn wir der Gegenwart darin einen fairen und positiven Raum geben. 

Sie, die sich auflehnen und ein Gesicht zeigen, von dem wir glaubten, es sei gut verwahrt in die mahnenden Hallen der Geschichtserzählungen verbannt, wollen uns letztlich nur 'entsorgen' - weil wir sie schon längst 'entsorgt' haben. 
Der Fremdenhass entspringt dem Gefühl, umsonst geboren und unerwünscht zu sein. 
Eine Hand wäscht die andere - aber nur, wenn wir nach ihr greifen!


Dienstag, 2. Oktober 2018

Wir haben eins gemeinsam: Die Zukunft

foto&text © Ebony Popiolek


Weshalb wir den Fokus auf das Gemeinsame lenken müssen


Jeder existierende und jeder seiner Geburt harrende Mensch erhält mit seinem Recht auf Existenz auch mindestens eine Pflicht. Die Pflicht die Zukunft zu lieben, zu hüten und zu gestalten. Wie ein Kind ist sie unbedingt davon abhängig, dass wir unsere Verantwortung ernst nehmen. Ihr Recht auf Fortdauer geht über das unsere hinaus. Sie ist uns anvertraut, wie wir ihr. Sie ist der Kern des Lebens, denn es gibt und gab kein Leben ohne Zukunft.
In Zeiten, in denen der Konflikt in zunehmendem Maße das soziale Gefüge bestimmt, wird es deshalb um so wichtiger, uns auf das Wesentliche zu besinnen. Überall auf der Welt wird zunehmend der falsche Fokus gesetzt. Rechthaben geht vor Rechtwollen, auf der guten Seite stehen geht vor Gutes tun. Es ist an der Zeit den Blick für das Gemeinsame wieder zu schärfen. Und so unserer Verantwortung gegenüber der Zukunft wieder gerecht zu werden.

Die Debatte entzweit


Die Debatte entzweit mit wachsender Größe. Das ist keine These, sondern eine nüchterne Feststellung mit Blick auf die Entwicklungen unserer Zeit. Je mehr Masse, desto größer die wirkenden Kräfte. Wie Fliehkräfte, die mit zunehmendem Momentum alles nach außen drücken, drücken die großen Debatten heute nach außen: in der Politik, im Alltag, in der Familie. Es ist nicht allein diplomatisches Geschick, das trotz größter Spannungen und Konflikte hier und dort noch für Zusammenhalt sorgt. Es ist die Fähigkeit den Fokus für die verbindenden Elemente stets aufrecht zu halten . Wer es schafft das Gemeinsame inner - oder auch unterhalb der arbeitenden Fliehkräfte zu sehen, es zu benennen, der kann dort - und sei es auf einem noch so kleinen Feld - Konsens finden. Vielleicht sogar Frieden. 

Wir teilen alle denselben Wunsch: Leben


Der Arbeitsmigrant, der auf seiner Suche nach einer besseren Zukunft in unserer Mitte strandet: Geht es ihm nicht wie dem Arbeitslosen? Macht er sich nicht auch Sorgen um die Zeit nach seiner Schaffenskraft? Muss er sich nicht auch um eine Familie kümmern? Lastet nicht auch der Druck gesellschaftlicher Erwartungen auf ihm? Will er das Gefühl anderen eine Last zu sein nicht auch abwerfen? Selbstbestimmt und unabhängig leben? 

Der Fremde, der seine Familie zu sich in die Fremde holt. Geht es ihm nicht wie jedem von uns, wenn wir uns fremd und in der Minderzahl fühlen? Sehnt man sich nicht schon auf einem einzigen Pärchenabend voller Eltern als kinderloser Single nach wenigstens einem anderen Menschen, der dieselbe Sprache spricht, dieselben Themen hat, auf derselben Stufe steht, wie man selbst? Das Gefühl kultureller Fremdheit kennen wir alle, dafür müssen wir nicht erst in den Orient oder in das ferne Asien reisen. Vollkommen unabhängig von unserer Herkunft, sind wir dort, wo wir nicht Zuhause sind, fremd. Immer. Als Rocker auf dem Helene Fischer Konzert. Als Konservativer auf einer Demo von Linksaktivisten. Als Mieter auf einer Konferenz von Wohnungseigentümern. 
Heimat ist ein Wir-Gefühl. 

Wie steht es mit den jungen Migranten, die perspektivlos und mit viel gesellschaftlichem Widerwillen in passiver Reglosigkeit gehalten werden. Die warten müssen. Warten auf was? Ihr Unmut, ihre Rastlosigkeit, ihre sich täglich sinnlos ins Nichts verbrauchende jugendliche Tatkraft - können wir sie nicht nachvollziehen, die Frustration, die Wut, die Hilflosigkeit, die sie empfinden müssen? 
Würden wir uns die Mühe geben, den Fokus auf das Gemeinsame zu lenken, zu sehen, dass Väter und Mütter auch aus den entlegendsten Gegenden auf dieser Welt am Ende im Gros dasselbe für ihre Kinder wollen, wie wir - würden wir dann eine gemeinsame Sprache finden?

Wenn wir die jungen Männer, die auf aller Welt eine Bestimmung suchen, nicht als potentielle Gefährder, sondern als vor Umsetzungsenergie und Willenskraft strotzende Körper sähen, die als ungewollte Migranten gezwungen sind ziel- und richtungslos durch Zeit und Raum zu treiben und dabei - ohne vorgezeichneten Weg - selbstverständlich auf Kollisionskurs geraten: hätten wir dann das Herz, auf sie zuzugehen? Könnten wir Wege finden, die für alle gangbar sind?

Wie würden wir es finden, wenn unsere Söhne auch nur ein einziges Jahr ihres Lebens vergeuden müssten? Wenn wir viel teures Geld in ein Versprechen investierten, das sich nie erfüllt? Wenn wir einsehen müssten, dass unsere Söhne, dass wir, umsonst Strapazen und Entbehrungen auf sich genommen haben: was würden wir als Entschädigung erwarten? Was würden wir sagen?

Ein gefährlicher Pfad


Wir haben gesamtgesellschaftlich die Stufe des Dialogs längst verlassen. Von allen Seiten tönen schrille Monologe laut und irritierend aus den Grammophonen selbsternannter Missionare, die blechern ihre immergleichen Platten abspielen, mit dem einzigen Ziel die Kakophonie der anderen Missionare zu übertönen. 
Geht es überhaupt noch um Inhalte? 
Oder geht es einzig und allein um das Recht des Lauteren, des Stärkeren. 
Um das Rechthaben an sich? 
Wenn wir so miteinander umgehen wollen, beschreiten wir am Ende den Weg derer, die wir fürchten.
Wir würden zu blinden Fundamentalisten werden, wo tumbe Gefolgschaft und hohle Eintönigkeit über dem Recht auf Einzigartigkeit stünden. Über dem Recht auf Leben und Selbstbestimmung. Sparta starb, während Köln bis heute lebt!
Die Errungenschaften des Dialogs, aus dem wir so viel Wissen über das fremde Wesen, die unbekannte Herausforderung, ziehen konnten, würden wir auf diesem gefährlichen Pfad innerhalb eines kurzen Wimpernschlags verlieren. 

Appell


Keine Kette hält ohne Faden. 
Keine Familie bleibt bestehen, wenn ihre Mitglieder die verbindenden Elemente aus dem Auge verlieren. 
Keine Gesellschaft kann fortdauern, ohne Besinnung auf das, was sie im Kern ausmacht.

Wenn wir unserer Pflicht gerecht werden, wenn wir die Zukunft positiv verändern wollen, müssen wir den Mut aufbringen, das Gemeinsame im Fremden zu finden. Wir müssen es mit aller Hingabe, vielleicht sogar mit Verzweiflung suchen. 
Und wenn es ein Mikrokosmos ist, den wir finden, so ist es dennoch ein Kosmos - ein Raum, wo wir das notwendige Biotop schaffen können, von dem aus zarte Triebe des Verständnisses wachsen, um zu umschließen, was sonst auseinanderzufallen droht. 









Freitag, 26. Januar 2018

Migration bin ICH bin Migration



Mein halbjüdischer Opa kam aus Polen. Mein schwarzer Vater kam aus Amerika. In unserer Familie herrscht ein kunterbuntes Durcheinander, es gibt keine alleinstehende Blutslinie. Nix da Monokultur!
Ohne Migration, ohne interkulturelle Verständigung, ohne das Überwinden von Hürden und Vorurteilen, wäre ich nicht hier. Wer sich Migranten wegwünscht, wünscht sich mich weg! Und meinen Bruder. Und unsere Kinder. Meine ganze Familie. Fast alle meine Freunde! Und alle, die vor uns kamen und die nach uns kommen werden und die mit uns gekommen sind. Migration ist mein Leben. Meine Geschichte. Deshalb ist dies hier AUCH meine Geschichte. 

Migration ist nicht mein Feind: 

Migration bin ICH! 





Photo by Nina Strehl on Unsplash

Mittwoch, 17. Januar 2018

Ich habs hinter mir gelassen
Worte und Sätze, die nicht mehr wehtun



Mit den Worten von Beyoncé:
I´m a grown woman!


Ich saß kürzlich mit meiner großartigen Freundin in einer Weinbar und sinnierte über das Leben. Über das Erwachsensein. Noch vor ein paar Jahren fanden wir, dass wir noch "Küken" sind. Grün hinter den Ohren. Trotz Kind & Kegel. Trotz Beziehungen, Ausbildung, Job. Inzwischen fühlen wir uns "groß". In knapp 3 Jahren hat sich unser Lebensgefühl mehr verändert, als unser Leben. Aber was ist jetzt anders?
Vor allem die Art, wie wir im Leben stehen. Der Kopf ist noch in den Wolken, sogar gerne, aber die Füße stehen auf festem Boden. Etwas hat uns reicher gemacht. Nicht Erfahrung per se. Sondern Verständnis. Wissen. Ich habe mich in den letzten Jahren nicht von Menschen abgenabelt, sondern von Worten. Worten, die Macht über mich hatten. Sätzen, die mich gelähmt, verletzt oder gehemmt hatten. Ich habe viel dazugelernt. Am meisten über mich. Es ist 2018. Dieser Text ist für meine liebe Freundin, für mich und für euch: Worte - wir sollten nicht leichtfertig mit ihnen umgehen. Und ihre Bedeutung für uns verstehen.

Na und? Das tut mir nicht mehr weh!


"Du bist doch das totale Opfer!"
"Bonzilla." (Mein Spitzname 'Bonnie' + Godzilla)
"Ich habe mich nicht in dein Aussehen verliebt, sondern in deinen Charakter."
"Toll, jetzt wo du gut aussiehst, machst du mit mir Schluss."
"Bei ihr dreht sich doch alles um Sex."
"Was soll aus dir werden?"
"Egal gibt es nicht, das ist eine schreckliche Haltung."
"Du nervst."
"Nicht so laut."
"Das interessiert mich nicht. Ich will nur die Details."
"Musst du so lachen? Das ist eine schreckliche Lache!"
"Niemand kann immer so gute Laune haben, die ist total falsch."
"Deine ständige Höflichkeit geht mir total auf die Nerven, verstehst du das nicht?"
"Niemand kann so nett sein."
"Ich glaube dir nicht."
"Was kann die denn?"
"Die ist faul."
"Das wird eh nichts."
"Was interessierst du dich für so einen Tussenjob?"
"Ich hoffe, das ist nicht deine Freundin?"
"Was willst du von den Tussen?"
"Mit dem Gesicht kannst du gleich in dein Zimmer gehen."
"Du willst es ja gar nicht, sonst würdest du mehr kämpfen."
"Du machst das falsch."
"Das kann Bonnie nicht."
"So wirst du das nie schaffen."
"Du lässt dich doch von allen ausnutzen."
"Man kann nicht alles mit dem Kopf entscheiden, du musst auch mal auf deinen Bauch hören."


Was hat sich geändert?


Ich habe ein Leben, auf das ich stolz bin. Das war ich eigentlich schon immer, aber mehr denn je ist mir bewusst, dass ich mir SO ein Leben niemals hätte aufbauen können, wenn ich so gewesen wäre, wie andere mich sehen wollten oder gesehen haben. Meine früheren Versuche nicht zu sein, wie ich bin, haben mir wehgetan und mir geschadet. Nettigkeit, Nachsicht und Mitgefühl selbst für Menschen, die wirklich unglaublich böse und gemein zu mir waren, das zeichnet mich aus. Ich bin nicht schwach. Auch wenn mir das mein Leben lang eingeredet wurde. In der Hoffnung, dass ich mich ändere. Ich bin stark. Auf meine Art. Ich halte Gemeinheiten aus. Und ich kann sie hinter mir lassen. Ich kann Menschen sehr gut mehrere Chancen geben. Ich bin gut im Verzeihen. Ich kann sehr gut zuhören und Verständnis entwickeln. Und ich kann auch gut erkennen, ob es überhaupt um mich geht - oder ob jemand gemein ist, weil er eben 'gemein' ist - oder sehr sehr verbittert, zum Beispiel. 
Ich habe mich von Labels befreit. Es gibt Tussen nicht. Es gibt keine Loser. Es gibt keine Winner. Ich interessiere mich, wofür ich mich interessiere. Das sind sehr sehr viele Dinge. Ich muss mich nicht in eine Schublade stecken und ich sollte mir den Zugang zu "Tussen" nicht verbieten, nur weil ich in den Augen der anderen dann einen Schritt in die falsche Richtung mache. In meinem Leben hat es mir weniger geschadet, allerlei Dinge kennenzulernen, als es mir geschadet hat, auf allerlei Menschen zu hören. 
Ausgenutzt habe ich mich tatsächlich den größten Teil meines Lebens gefühlt. Maßgeblich aber, weil mir meine Natur, das Bedürfnis zu geben und nicht wirklich etwas zurück zu verlangen, madig gemacht wurde. Heute lebe ich das voll aus. Ich genieße es so sehr zu geben. Ich bin nicht mehr enttäuscht, wenn Menschen aus meinem Leben gehen, nachdem sie all ihre Traurigkeit oder Unsicherheit mit mir gemeinsam weggearbeitet haben. Statt ihnen böse zu sein, bin ich dankbar. Sie bereichern mein Leben mit ihren Geschichten, sie schenken mir Vertrauen, das nicht einmal ihre Eltern oder engsten Freunde genießen, und sie trennen sich im Guten von mir. 

Ich habe gute 99% der Zeit gute Laune. Ich bin einfach aus Prinzip lieber glücklich statt unglücklich. Ich überspiele nichts, ich bin, wie ich bin. Ich lache, ich lächle, ich rede und lache laut, ich genieße meine Zeit. Ich bin aufrichtig. Viel aufrichtiger, als mir große Strecken meines Lebens unterstellt wurde. Ich war oft naiv, verpeilt, habe mich geirrt, etwas vergessen - es ist in meinem Leben zu Missverständnissen und unglücklichen Zufällen gekommen, die mich unglaubwürdig aussehen lassen haben. Diese Momente sollten nicht mein Leben definieren, oder mein Bild von mir - haben sie aber. Ich habe darunter gelitten, dass ich als unaufrichtig wahrgenommen wurde. Statt hinzunehmen, dass manche Menschen das Schlechteste zuerst annehmen und mich auf das zu berufen, was ich wusste! 

Ich bin ein normaler Mensch, ich tue am liebsten, was mir guttut und vermeide, was mir schadet. Die Reduzierungen, die ich erfahren habe, von unattraktiv aber nett, über sehr attraktiv aber schlampig und untreu, haben mein Ego gefährlich reduziert. Streckenweise habe ich meinen Körper versteckt, dann wieder unsicher präsentiert. Ich war mit mir nicht im Reinen, weil ich mich für meine Ausstrahlung ständig schämte, oder für sie rechtfertigen musste. So viel von dem, was mich ausmacht, war für meine Umwelt ein Problem.

Ich habe mir eine eigene Welt geschaffen.
  • Eine Welt in der ich nett sein kann, so wie ich es bin. 
  • In der ich immer wieder verzeihen, nachgeben, zuhören und helfen kann.
  • Eine Welt, in der meine vielen Projekte, Ideen und Erfolge gewürdigt werden.
  • Eine Welt, in der ich so viel erzählen und schreiben kann, wie ich will. 
  • In der ich mich nicht limitieren muss, damit mir Aufmerksamkeit geschenkt wird.


Ich bin frei 


All die Labels, all die Sprechverbote, all die Regeln 'euren' sozialen Miteinanders, all das angedichtete, vermutete, hinterrücks spekulierte, tut mir nicht mehr weh. Ich bin frei. Im Zentrum meines Lebens steht, was ich über mich weiß. Meine Wahrheit. Und die gefällt mir. Das kann mir niemand wegnehmen. Mein Leben ist, wie es ist, weil ich bin, wie ich bin.

Die Lektion


Wenn ihr wisst, wie es in euch aussieht - lasst euch nichts anderes einreden.
Wenn ihr wisst, wer ihr seid - lasst euch zu niemand anderem machen.

Wenn ihr wisst, was euch guttut - lasst euch nicht etwas anderes aufschwatzen.
Wenn ihr wisst, was euch schadet - geht ihm aus dem Weg.

Wenn ihr wisst, was ihr könnt - gebt es, teilt es. Auch wenn nichts zurückkommt!
Wenn ihr wisst, was ihr liebt - tut es, teilt es, sucht es: Bereichert euch selbst.



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Mittwoch, 20. Dezember 2017

Das können wir besser!
7 Macken, die Eltern in 2018 ändern können



1. Bildschirmfrust


Deine Kinder betteln ständig um mehr Monitorzeit? Der Haussegen hängt wegen Smartphone und Tablet schief? Kein Gespräch mehr ohne Diskussionen über Fernseh - oder Zockerzeit? Fass dir an die eigene Nase: Wie oft sehen deine Kinder dich mit Bildschirm vorm Gesicht schweben? Wie lange sitzt du am PC/Laptop mit der 'Ausrede' du müsstest noch arbeiten? Und dann erwischen sie dich doch beim Onlineshoppen, Facebookposts lesen oder Fotos sortieren? Bei Displayfrust muss Gleichberechtigung herrschen. Keine Displayzeit, aber das gilt für alle, zum Beispiel, wenn die ganze Familie Zeit füreinander hat. Abendessen, Brettspiele, Lesestunde, Spaziergänge - da sollten die Displays alle aus. Auch die 'erwachsenen'.

2. Lästerschwester & Pöbelschnösel


Sich im Ton vergreifen und Rumpöbeln geriert vielerorts zum Normalton, insbesondere in den Medien. Dass der Umgang rauer wird kann man auch zu Hause erleben. Selbst die Beherrschtesten unter uns verfallen plötzlich in Schimpftiraden, wenn Maischberger oder Will mal wieder aus dem Ruder laufen. Die öffentlich-rechtlichen sind schon lange nicht mehr nur ein Hort des kulturvollen Diskurses, sondern auch der kulturfreien Hasspredigt. In den Nachrichten, in den Kommentarspalten, in den Foren - überall wird geschimpft, gewettert, gemotzt und beleidigt, dass sich die Balken biegen. Dann kommen noch der Arbeits - oder Alltagsfrust dazu, der ausgiebig am Telefon oder am Esstisch abgelassen wird...kein Wunder, dass unsere Kinder auch zu Stänkerfritzen und Giftziegen werden. Finden wir in 2018 zurück zu neutraler, versöhnlicher Kommunikation, oder wenigstens zum alten Sprichwort

Wenn ich nichts Gutes zu sagen habe, sage ich lieber gar nichts. 

Nach wenigen Tagen wird sich die gereizte Stimmung in den eigenen vier Wänden schon deutlich entspannen - wer sich den falschen Ton ins Haus einlädt, braucht sich nicht über die Kakophonie darin zu wundern.


3. Ein echtes Vorbild sein


Schlaflosigkeit, Geldsorgen, Überstunden, der Wein ist alle...es gibt viele Gründe, weshalb wir die Nerven verlieren. Was wir aber nicht wollen, ist dabei ertappt zu werden. Oder schlimmer noch: Einen Dauerzustand aus 'Lass mich jetzt, Mama/Papa ist gestresst!' zu machen. Das ist ungesund. Nicht nur für uns, sondern auch für unsere Familien. Erstens ist unsere psychische Gesundheit davon abhängig, dass wir auch mal vom Gas gehen und gelegentlich geistige Parklücken aufsuchen. Zweitens sind gereizte Eltern zwar schlimm, aber Eltern im Krankenhaus sind schlimmer! Was das mit Vorbildfunktion zu tun hat? Wer permanent unter Strom steht, wessen Familie in einem Reizklima lebt, der bringt seinen Kindern bei, dass das Normalität ist. Schlechte Stimmung muss man eben aushalten. Für immer. Wer artikuliert "Wenn ihr nicht so teuer wärd, müsste ich auch nicht so viele Überstunden machen", der sagt auch: 


Ich lebe nicht mehr mit euch, sondern für euch -
Und das kotzt mich an!

Ein Vorbild sein bedeutet nicht nur, im Straßenverkehr alle Regeln zu beherrschen und Knigge mit den eigenen Skills in Verlegenheit zu bringen: es heißt auch den Kindern vorzuleben, wie man mit schwierigen Phasen umgeht. Wie wir, selbst wenn das Geld knapp ist, einen positiven und freundlichen Umgang pflegen. Wir müssen den Kindern zeigen, dass Familie nicht das Kreuz an unserem Rücken, sondern der stete Silberstreif am Horizont ist. Wenn eure Kinder das von euch lernen, dann kann uns der Stinkefinger im Abendverkehr völlig egal sein!


4. Bodyshaming


Photo by Kat Smith from Pexels
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Wenn wir richtig woke wären, richtig tolerant und neutral, dann wäre die Welt ein besserer Ort. Wer sich rühmen kann, gut beleibte Menschen nicht zu disrespektieren, wer auch findet und fordert, dass mehr normale und nicht-normale Menschen in die Hochglanzmagazine gehören, wer Zahnlücken, Glatze, Brille oder blitzförmige Narben im Gesicht sympathisch findet, der ist schon recht offen. Wer Mensch erstmal den Bonus gibt, auch nur Mensch zu sein, egal ob Anwalt, Ausländer oder Bauer ohne Frau, der hat es fast drauf. Über Kleidung oder Frisuren, die euch nicht gefallen, lästert ihr aber auch nicht, oder? Sieht billig aus, steht nicht, macht fett...sagt ihr nicht? Und Körpersprache ('die Raute') oder das xte Foto im Bikini vom Strandurlaub verleiten euch zu...nichts? Keine fiesen Gedanken? Super! Damit habt ihr schon die Silbermedaille für Toleranz und Nächstenliebe.

Fehlt nur noch eine Disziplin: Selbstliebe. 

Ihr klagt nicht darüber, zu fett zu sein? Ihr jammert nicht, wenn euch etwas nicht steht, sondern sucht optimistisch etwas, das zu euch passt? Ihr faucht nicht, wenn ihr Komplimente bekommt? Ihr versteckt euch nicht vor fremden Blicken? Ihr lasst euch nicht gehen, weil ihr euch aufgegeben habt und für einen hoffnungslosen Fall haltet? Ihr setzt eure Kinder nicht auf asketische Diät, weil ihr Angst habt, sie könnten mal so aussehen, wie ihr? Euch gefällt was ihr seht? Ehrlich? Dann sehen Superman und Superwoman ziemlich blass gegen euch aus - Kryptonit ist ein Witz gegen das Gift, das wir uns selbst täglich freiwillig spritzen.

5. Plusquamperfekt


Perfekt gibt es nicht. Das ist eine totale Illusion. Trotzdem schielen wir zu diesen Illusionen hin, wenn wir über das nachdenken, was wir gern hätten. Benjamin hat zwei linke Füße, der wird nie Fußballspieler. Anne benimmt sich seit ihrer Geburt wie ein Junge, sie wird vielleicht nie lange Haare tragen - oder einen Mann heiraten. Louis ist in der Schule nicht so gut, wie man selbst es mal war und interessiert sich für nichts, außer Lego und Pokemon. Jette himmelt die Schwiegeroma mehr an, als die eigene Mutter. Und keiner kann richtig schön Geige spielen.
Das Leben ist kein reines Wunschkonzert, über Vieles haben wir Eltern keine Macht. Ganz besonders wer und wie unsere Kinder sind können wir nur zu maximal 50% beeinflussen, und der Einfluss schrumpft, je größer sie werden. Es muss nicht alles Plusquamperfekt sein, Präsens reicht vollkommen aus. Das Leben nehmen, wie es ist: Schön, wenn wir das unseren Kindern mitgeben könnten. 

Enttäuschungen haben Menschen, die ständig im falschen Film leben und beim Abspann merken, dass er vorbei ist. 

6. Konsumismus


Photo by Pineapple Supply Co. from Pexels
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Kaufen. Wegwerfen. Neukaufen. Wegwerfen. Neukaufen.
Die Halbwertszeit unserer Besitztümer wird immer kleiner. "Die Qualität nimmt ja auch ab", verteidigt man sich sofort. Das stimmt aber nur neun-dreiviertel. Jedenfalls nicht ganz. Wenn wir unseren Besitz nicht ersetzen, weil er uns veraltet erscheint, dann, weil er nicht mehr funktioniert. Nicht funktionieren ist dabei ein dehnbarer Begriff, da passt alles von 'Es gefällt mir nicht mehr' bis 'Es ist kaputt' rein. Reparieren, umfunktionieren, aufbewahren...die Mühe machen sich Wenige. Wegwerfen spart Zeit, Neukaufen macht glücklich. Die Lust am stetig Neuen übertragen wir so auf unsere Kinder. Die Frustration, wenn etwas nicht mehr perfekt ist, auch. Viele Kinder erleben, dass ihre Eltern Shoppen als Freizeitbeschäftigung betreiben. Sie bekommen fast wöchentlich kleine Aufmerksamkeiten, einfach nur so. Viele von uns halten die Lust nach Mehr in unseren Kindern aufrecht, statt sie mit der Freude am Besitz zu füttern. Klagen über ein Kind, das will, was alle anderen haben, sind meist unfair: Geht es uns denn so anders? Der Strandurlaub, das Auto, das Smartphone, das Tablet, die Tasche, die Schuhe, der Grill, die Keramikserie...mal ehrlich, Viele von uns sind genau wie unsere Kinder. Wir leben alle im selben Umfeld, bombardiert von denselben niemals endenden Reizen. Irgendetwas braucht man immer. Es gibt viele Familien, die mehrmals die Woche einkaufen gehen, und das nicht für Lebensmittel.

In 2018 können wir doch mal wieder den Versuch wagen mit dem glücklich zu sein, was wir bereits haben. 

Ich habe als Unterstützung dafür vor kurzem sämtliche Newsletter abbestellt: Keine Werbung, die mich täglich mit tollen Rabatten locken will. Den 'Do-it-Yourself' Anteil haben wir schon in 2017 einigermaßen verinnerlicht: Zuletzt ist es uns tatsächlich geglückt, einen IMac zu reparieren. Youtube sie Dank! Das Beste daran, die Reize zu filtern und mehr aus dem Leben fernzuhalten? Der Fokus auf das Schöne, das man bereits besitzt, kehrt allmählich ganz von selbst zurück. Wer nicht dauernd mit frischem Gras vor der Kuh rumwedelt, kriegt sie nämlich nicht von ihrer Weide weg.


7. Liebe entdecken


Moderne Eltern lieben ihre Kinder nicht nur über alles, sie lassen sie das auch spüren. Wofür vor wenigen Generationen oft keine Zeit blieb, ist jetzt standardmäßig Zeit: Kuscheln, Vorlesen, Spielen, Rausgehen, Toben. Wir 'neuen' Eltern reflektieren das Verhalten unserer Kinder, informieren uns fortwährend, wägen alle Entscheidungen gewissenhaft ab, die meisten haben längst demokratische Grundrechte an ihre Kinder verliehen. Unsere Kinder wissen, wie es ist geliebt zu werden. Und das ist schön! Aber da geht noch mehr. Hand aufs Herz: Wie viele Menschen in unserem Leben bekommen nicht mehr unsere (umfängliche) Liebe, seit wir Kinder haben?
Auch eine beste Freundin verträgt unsere Schmuse - und Redezeit gut. Ein Mädelsabend lässt auch Mamas Herz höher schlagen. Statt daraus einen 'Termin' zu machen und zu sagen 'Ich muss da jetzt hin', statt ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn mal was liegen bleibt: Zelebrieren wir in 2018 lieber, dass wir Freunde haben mit denen wir eine schöne Zeit verbringen können.
Unserem Partner sein Lieblingsessen kochen und zärtlich zu ihm sein: Das ist Liebe.
Die Partnerin am Wochenende ausschlafen lassen und mit den Kindern ein heimliches Überraschungsfrühstück vorbereiten: Das ist Liebe. Sich kleine Liebesbotschaften an den Kühlschrank kleben, die NICHT für die Kinder sind - aber dennoch jugendfrei -, einen Abend mal nicht Filme gucken, sondern mal wieder kuscheln und schwatzen - auch ohne Kinder und auch jugendfrei - DAS ist Liebe. 

Für die Omi aufstehen, der Schwangeren Platz machen, am Telefon lachen, mit der netten Kassiererin plauschen, fremde Kinder anlächeln: Das ist Liebe! 

Viel zu oft beschränkt sich das Zeigen und Ausleben von diesem wunderbaren Gefühl auf die unmittelbare Familie, oft sogar nur auf die Kinder. Es ist nicht nur schade, wenn Kinder Liebe und Nächstenliebe kaum mehr im Alltag erleben, es ist auch nicht ganz ungefährlich, wenn sie die Einzigen sind, die ihrer teilhaftig werden: So kann schnell mal ein kleiner Haustyrann entstehen.
Jeder hat doch schöne Blumen und ein Küsschen verdient:
Ob nun wortwörtlich, oder sprichwörtlich.
Geben wir also mehr von unserer Sonnenseite, teilen wir mehr unserer warmen Gefühle mit unserer Umwelt - und mit Sicherheit kommt auch ganz viel davon zurück!

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Freitag, 8. Dezember 2017

DIE 10 BESTEN VORSÄTZE FÜRS NEUE JAHR



Abnehmen, das Rauchen aufgeben, eine bessere Mutter sein, mehr Zeit für die Familie haben, sich mehr um seine Freunde kümmern...unsere Neujahrsvorsätze klingen so, als ob Moses höchstpersönlich mit seinen 10 Geboten aus unserem Oberstübchen herabgewandert ist, um uns ein Jahr lang mit seiner moralischen Überlegenheit daran zu erinnern, dass wir doch ein besserer Mensch sein wollten, als im Vorjahr.
Willst du Silvester 2018 glücklich auf deine Speckrollen anstoßen und deine Zigarette mit dem Club der Asphaltlungen ohne schlechtes Gewissen genießen, dann hör nicht auf Moses. Hör auf MICH!

Hier MEINE 10 idiotensicheren Vorsätze fürs neue Jahr - die schaffste locker!

1 Mehr Akzeptanz

Donald ist auch nur ein Mensch










Du bist, wie du bist. Lebe damit. Du hasst Avocados, bist faul, Single, antriebslos und arm. Mein Gott, nobody is perfect!


2 Mehr Ehrlichkeit


Ehrlich währt am längsten. Für ein aufrichtiges Miteinander musst du Aufrichtigkeit praktizieren. Wie? Hier ein paar Übungssätze, die den Einstieg in dein neues ‚Whole Truth‘- Jahr erleichtern. Am besten jeden Tag anwenden und die Dosis langsam auf ‚Berlinniveau‘ erhöhen.

„Nö, keine Lust.“
„Ich mach das nur, weil ich nichts anderes kann.“
„Ich kaufe mit Absicht die vegane Wurst, die den Fleischskandal hatte. Ich bin ein anonymer Fleischfresser.“
„Ich mache nur Yoga, weil ich unsportlich bin. Das merkt da keiner.“
„Ich trage Laufschuhe und Jogginghosen nur, weil sie bequem sind.“
„Ich gucke Game of Thrones nicht, ich wiederhole nur, was die anderen erzählt haben.“
„Ich arbeite tagsüber eigentlich gar nicht, das meiste mache ich immer in der Stunde vorm Feierabend. Feierabend motiviert mich.“
„Ich trage gar keine Kleidergröße 38. Und du auch nicht, das sieht man.“
„Lassen Sie mich durch, ich bin Philosoph!“
„Ich mag Avocados in Wirklichkeit gar nicht.“


3 Mehr Umweltbewusstsein

Mach deiner Umwelt schöne Augen










Man kann nicht nicht kommunizieren. Man kann auch nicht nicht seine Umwelt beeinflussen. Hier ein paar Ideen für mehr positiven Impact, die du leicht umsetzen kannst.

Mehr Kaugummi, weniger Knoblauchsauce.
Mehr Kopfhörer, weniger Headsets.
Mehr Smartphone, weniger fremde Leute anstarren.
Mehr Fokus, weniger „Hast du mit mir gesprochen?“
Mehr ganze Flaschen, weniger Scherben.
Mehr Türsteher, weniger Leute, die den Bus um Schrittlänge verpassen.
Mehr Wirtschaft ankurbeln, weniger sparen.
Mehr Schulterzucken, weniger Puls.
Mehr Blickkontakt, weniger Dekolleté.
Mehr Dekolleté, weniger #MeToo#.
Mehr Unterschriften, weniger Demos.
Mehr Essen, weniger Meckern.
Mehr echtes Frühstück, weniger Avocado.

4 Mehr Liebe

Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst: das Geheimrezept für eine glückliche Gesellschaft. Es gibt da draußen zu viele Leute, die sich selbst hassen. Das muss aufhören, und das kannst du dafür tun:

Spiegel Wenn du erträgst, dass dir Leggings generell nicht stehen, wenn du duldest, dass dein Outfit heute nicht dein bester Freund wird, wenn du annimmst, dass du nur einer von Vielen bist: Dann kannst du auch den Fail zu deiner Linken und den Fail zu deiner Rechten lieben.

Körperkontakt Kuschel dich nachts mal wieder so richtig in die Decke, umarme dich ausgiebig, gib dir selbst einen aufmunternden Händedruck oder auch einen freundschaftlichen Klapps auf den Hintern. Du musst dich fühlen, um dich zu spüren!

Teilen Jesus hat‘s vorgemacht! Teile dein Wissen und deine Zeit. Teile deine liegengebliebenen Aufgaben und deine Kosten. Teile dein Bett und deine Wohnung. Teile Brot und Wein. Teile deine Kleidung, Einteiler sind für Zwerge und Skihasen. Teilet und mehret euch, make more not one!

Geben Wer mit beiden Händen das Alte festhält, hat keinen Platz für Neues. Also lass los!
Lass Sven ziehen, und Anna auch. Öffne dich für Matthias oder Emma! Lass den alten Frust gehen, vertraue darauf, dass genug neuer kommt. Gib dich hin, nimm zurück was übrig bleibt. Da kommt Liebe auf!

5 Mehr Zeit

Stress ist manchmal auch Timing










Das ist der ultimative Perspektivwechsel, wenn du auf deinem Sterbebett liegst und dich fragst: „Hab ich alles richtig gemacht?“ Jeder weiß, dass diese Frage nicht mit „Nein, ich hätte mehr arbeiten sollen“ beantwortet wird. Schwänz mal wieder. Die Arbeit hat sich gestern schon nicht erledigt, wieso dann heute? Du machst das eh nur für Geld und nicht für Fame, wozu dann die Eile? Du machst das eh nur für Fame und nicht für Geld, wozu dann der Druck? Eeeeentspann dich…

6 Mehr Energie

Zero ist anstrengend. Zero Coke, zero Sugar, zero Kalorien = zero fun. Wo bleibt da die Lebensfreude? Für mehr Energie in 2018 erlaubst du dir einfach mehr Energie! Und die verbrennst du dann glücklich, während du dem Sonnenuntergang entgegentanzt.

7 Mehr Geduld

Dir platzt der Kopf, alles muss sich verändern?










Rome wasn´t built in a day. Der BER braucht auch noch zwei Tage. Der Stau löst sich bestimmt noch vor der ersten Kaffeepause auf. Wenn du zu spät zum Kochen mit den Zutaten vom Einkaufen kommst, brauchst du nicht mehr kochen, dann gibt’s Pizza. Mal ehrlich: Was macht Termindruck eigentlich, außer Dinge wichtiger machen, als sie dir vor dem Termin waren?

8 Mehr Grün

Mach dir ein paar grüne Gedanken: Die sind voll im Trend! Grün ist nicht nur eine Lebensweise, sondern auch eine Denkweise. Hier ein paar Ideen, die du für dein grünes Bewusstsein verinnerlichen kannst:

In der Farbenlehre ist Grün die Farbe der Mitte. Sie steht für Neutralität und Zufriedenheit. Außerhalb der Farbenlehre steht Grün für Übelkeit und Neid. Punktuell auch für Trends. 
Grün ist zudem die Farbe des Kreislaufs. Und des Daumens. 
Avocados sind auch grün. 
Grün ist meistens ein guter Anfang.

9 Weniger ist Mehr

Da waren die Augen größer als der Teller










In Zeiten des Überflusses, der Maßlosigkeit, des Seine-Grenzen-nicht-Kennens, kann man auch mal zurückrudern und seine ganzen Ansprüche überdenken. Hier ein paar Anregungen:

Weniger Diät, mehr Genuss
Weniger Überstunden, mehr Game of Thrones
Weniger Diskussion, mehr Handlung
Weniger Smartphone, mehr Biergarten
Weniger Spekulation, mehr Wissen
Weniger Avocado, mehr Spinat

10 Mehr Fatalismus


Eines kann man sich aus den Religionen ruhig abgucken, da hatte Moses Recht: Fatalismus.
Weil, wenn du einen Patzer machst, kommst du in die Hölle. Am Ende sowieso. Moses war schon ein großer Motivationscoach seiner Zeit. So ein bisschen "Das Ende ist nah!" - kann im Alltag manchmal echt nicht schaden. Schicksalsergebenheit öffnet dir Türen, wo sich die eine geschlossen hat.  Fatalismus heißt „Shit happens, carry on". Danach zu leben bringt eine große Dosis Leichtigkeit in deine Welt. Sprich mir nach...

Druckerpapier alle
das Blinddate eine Falle
Hasskommentar von Kalle
zu dick für diese Schnalle
keine Flüge mehr nach Malle
Mieterhöhungen für alle 
OMMMM und En Shalla
is am Ende PILLEPALLE!

In diesem Sinne...Happy new year und Prösterchen!





fotos as usual von Ryan McGuire @ gratisography.com


Donnerstag, 30. November 2017

FDP adé? König von Deutschland: Lindners feuchte Träume



Da hat sich FDP Chef Lindner offensichtlich von seinen Träumen zu den Irren führen lassen.
Nachdem Lindner nach harten Sondierungswochen unvermittelt aus den Verhandlungen aussteigt, fährt der Jamaika-Karren an die Wand. Ziel nicht erreicht, das gelbe Navi hat eine Abkürzung vorgeschlagen, ist aber auf dem Holzweg gelandet. Für einen harten Ausstieg hatte man der FDP nicht seine Stimme gegeben. Die Partei sollte mit dem charismatischen Egozentriker vor allem den Zugpferden der alten Regierungskutsche ordentlich die Sporen geben. Da sollte mal eine neue Gangart eingelegt werden, ein bisschen Tempo. Man wählte die FDP, weil man mit ihr als Teil der Regierung schon die Zukunftsmusik hören konnte. Doch leider....

Digital first, Bedenken second.

Dieser Wahlspruch bleibt Programm, auf gut Deutsch bedeutet er jedoch schlicht und ergreifend: Erst meine Ideen, dann eure. Oder auch "Verantwortung? Hinterlasst mir ne Nachricht nach dem Piepton." Dass Lindners FDP nur mit 10% gewählt worden ist, hat der Parteivorsitzende auf Grund seiner Shooting-Star Allüren bei der Zukunftsplanung wohl vergessen. Kommt in den besten Medienbranchen vor. Nur ist die Bundesregierung keine Medienbranche. Lindner bekommt keinen Bambi für seine Darstellung des Rebellen, der das verkrustete System erst verspricht aufzubrechen, nur um es dann ins Chaos zu stürzen. Boooo! rufen da die enttäuschten Wähler zurecht. Die ersten Forderungen nach der Goldenen Himbeere werden laut!
Dass Lindner unser Vertrauen für Wahlversprechen wie 'Eine neue, digitale Zukunft' und 'Ein modernes Bildungssystem: Kinder first' missbraucht, um unsere Stimmen auf der Sandbank von 'nahezu 200 Punkten ohne Einigung' und einem Streit um den Soli vertrocknen zu lassen: Das nimmt man ihm übel. So haben wir nicht gewettet, mein lieber Scholli!
Zu der Insel der Irren wollte FDP-Chef Lindner offensichtlich, dorthin, wo schon Donald Trump neuerdings (sich ab-)regiert. Wenn seine Forderungen nicht alle erfüllt sind, dann gibt es eben keine Demokratie. Wenn sich nicht alle auf ihn einigen können, dann einigt man sich besser auf gar nichts.
Allein: Auf Durchregieren und seinen alleinigen Willen allen Parteien und dem Volk aufdrücken - das ist genau der Vorwurf, der CDU Chefin und Kanzlerin Angela Merkel gemacht wird. Welcher frühpubertäre feuchte Traum hat Lindner eingeflüstert, er hätte mit der gleichen Masche ein super Verkaufsargument für die FDP? 10%, Lindner, machen keinen König, das reicht zum Assistenten. Deshalb hast du nicht mehr Stimmen. Die Führungsposition in Jamaika hat dir niemand zugetraut! Während Lindner sich nun fast duckmäuserisch durch den Hagel an Kritik bewegt, ohne bis dato überhaupt das Ziel seines verfrühten Gehens zu nennen, träumt er scheinbar immernoch gut, da die FDP zwar keine Orientierung für die Zukunft bietet, sich aber sicher ist nun schon mehr Zuspruch bei den Wählern zu haben, als vor der Wahl. Ich bin mir sicher: Das geht nach hinten los!
Viele von uns stehen mit unserer Stimme Dank 'Pubertier' Lindner abholbereit auf der Sandbank, wo er uns mitten im Galopp abgeworfen hat, und strecken frustriert den Daumen raus: Wer nimmt uns mit? Wer hat noch Platz in seinem Parteiprogramm für digital und modern?
Eins hat Mr. Egotripp aber mit Sicherheit geschafft: Jung, provokant und rebellisch? Diese Marketingmasche hat Lindner für zukünftige Wahlen tüchtig versaut - wer erwachsene Politik will, sollte vielleicht doch keinen Punkrocker wählen!





Photo by Ingo Joseph
from Pexels https://www.pexels.com/photo/island-covered-with-green-trees-under-the-clear-skies-188029/

Donnerstag, 16. November 2017

Ein Millenial-Plädoyer für eigene Kinder

Das Leben wird definitiv bunter


Ich weiß nicht, woran es liegt, aber hierzulande haben die Leute irgendwie keinen Bock mehr auf Nachwuchs. Kinder? O nee! Viele meiner Millenial-Kolleg_Innen sind noch kinderlos. Dabei gehen einige auf Mitte 30 zu. Da denke ich immer: "Man, jetzt kannst du die noch (ein)fangen, mit vierzig wird das erstmal stressig!" 😉 Nicht nur kinderlos sind sie, sie haben oft scheinbar nicht einmal den Wunsch nach Kindern. Höchstens einen Plan für bzw. wider sie. 
Ihre Argumente sind ein Potpourri aus 'Ich kann noch nicht'
  • erst, wenn meine Karriere da angekommen ist, wo ich es mir wünsche
  • erst, wenn wir wissen (nach 5 Jahren Beziehung) ob wir wirklich füreinander bestimmt sind
  • ich muss vorher definitiv noch ein paar Punkte auf meiner Bucketlist abhaken
  • wir sind doch selbst noch halbe Kinder
  • wenns passt
  • ich will meine Freiheiten nicht aufgeben
  • ich habe Angst vor der Verantwortung
  • so viel Geld habe ich nicht
  • ich will meinen Kindern erst etwas bieten können
  • ich weiß nicht, ob ich Kinder in diese Welt setzen will 
Gerade meine männlichen Generationsvertreter scheinen große Probleme mit dem Commitment 'Kind' zu haben. Sie haben Angst vor der Verantwortung und schon - vorauseilend - vor der Scheidung. 
Denn 'Dann hab ich die Kinder umsonst gekriegt, weil Frauen sie dir ja eh wegnehmen'. Ein bisschen wie keine Gesundheitsvorsorge treffen, weil man ja eh irgendwann krank wird. 
Ich möchte auch gar nicht weiter auf EURE Argumente eingehen. Jeder hat seine Gründe und für jeden mögen die Gründe elementar wichtig sein. Verstehe, verstehe! 
Deshalb seht das hier nicht als Diss, sondern als Bliss (= Glück)-Communication. 
Ich habe mit 20.5 Jahren den Sprung in kochendes Wasser gewagt und bin bis heute Stiefmutter ohne Reue von zwei saucoolen Menschen (Kids kann man bald nicht mehr sagen), und habe mit 25 meinen Beitrag zur Familie mit einem weiteren kleinen Menschen geleistet. Die Kids haben mich weichgekocht! Und KLAR gabs bei uns blöde Zeiten, sogar ein ganzes blödes Jahr. ABER der Fokus liegt grundsätzlich immer auf den schönen Seiten, sonst würden wir die nicht massenhaft in eigenen Blogs und Instagram-Feeds dauernd mit euch teilen. Und egal wie viele "Regretful Mom"-Artikel euch überzeugen wollen, dass ihr in einem Meer von Kotze, Windeln und später Widerworten und Streit eure persönliche Würde aufgeben und euren Lebenssinn verlieren werdet: Es ist NICHT wahr! Die Mehrheit von uns Eltern LIEBT es, Eltern zu sein. Schlicht, weil wir unsere Kinder lieben. Anders geht es nicht, man kann nicht seine Kinder lieben und es hassen ihre Eltern zu sein. Also: AUF ins Abenteuer Familie ihr lieben Unentschlossenen und Zögerlichen. In Wirklichkeit haben die viel mehr Angst vor euch, als ihr vor ihnen - oder wie hieß das bei Spinnen? Also:

Ob Stiefkind oder Hausmarke: Kinder sind toll! 

Eine Bilderbuchgeschichte



Alles fängt im Miniaturformat an. 
Merkwürdiger Weise erfüllt das nicht nur uns Mütter, sondern auch Väter, mit einer Art stolzer Ehrfurcht. Man hat einen Mensch zu Stande gebracht. Einen soooo klitzekleinen Mensch. Da passt am Anfang noch alles in eine Hand. Aber so ein kleiner Mensch braucht Aufmerksamkeit. Und normaler Weise kann man gar nicht anders: Man muss sie ihm schenken!
Viele ziehen - wie wir - in eine neue Wohnung, sobald der Nachwuchs kommt oder da ist. Die Kartons bleiben die ersten Monate mit Kind bei den meisten erstmal generell ungeöffnet. Aufgeräumt wird irgendwann. Ist auch egal. Nach und nach schiebt sich das neue Leben schon zurecht.
Toll an Babys ist, dass scheinbar die ganze Welt mal anfassen will. Helfen möchte. Tragen möchte. Es gibt Eltern, denen das schnell zu viel wird. Die geben ihre Kinder dann nicht mehr aus der Hand. Andere - so wie ich - lassen das Socialisen zu. Die Arbeit muss auch nicht auf der Strecke bleiben: Zuhause bekommen alsbald alle ein Device, Junior auch mal von Fischerprice. Da braucht man sich nicht schämen, Helikoptern fängt da an, wo man Kindern keine Langeweile und Zeit mit sich selbst mehr zugesteht. 
Nach gut einem Jahr fängt die Welt in der Windel an zu schrumpfen, sie wird zu klein. Dann wird der Rest erobert. Alle Familienmitglieder dürfen den kleinen Columbus ertragen: Vom Vierbeiner bis hin zu den Erzeugern.
Leben mit Kindern ist lustig. 
Weil Kinder lustig sind. Wie Zirkusclowns, und das oft unfreiwillig. Ich glaube, wir haben am meisten über die Gesichtsdisko von unserer Tochter gelacht. Meist begleitet von einem herrlichen "Sparta!" - mäßigem Brüller. Jeder Muskel wird ausprobiert, die Stimmmuskeln genau wie die Gesichtsmuskeln. Mit Kindern ist man, wenn man das möchte, ständig auf Achse. Bei uns war und ist das so. Ab aufs Rad und raus in die Natur. Oder ins Museum. Oder ins Café. Zuhause ist es einfach zu eng für Familie mit Wusel, vor allem, wenn man als Städter keinen Garten hat. Und Kinder lieben es mitzumachen. Angucken, anfassen, anpacken: Je mehr Aufgaben ein Kind hat, desto glücklicher ist es. Hauptsache man korrigiert dann nicht ständig an Ausführung und Ergebnis rum: Der Weg ist das Ziel, dann darf der auch dreckig sein! 
Irgendwann ab 3 Jahren fängt es dann an richtig Spaß zu machen. Ich wage zu behaupten, dass ALLE 3 bis 4 jährigen Kinder ausnahmslos ZUCKER sind! Babys nerven manchmal, weil sie weinen und nicht sagen können, was sie wollen. In diesem Alter können Kinder was sagen: Es macht halt nur nicht immer Sinn - oder es ist das ehrlichste und zugleich peinlichste, das du seit langem gehört hast. Und die dicke Frau neben einem ebenso! Kinder in diesem Alter machen einfach nur Spaß. Sie sind robust, fröhlich, voller Bewegungs - und Entdeckungsdrang, lieben es vor sich hin zu reden und holen sich in regelmäßigen Abständen große Liebesdosen von uns Eltern ab. Eine schöne Zeit! Versprochen!  Die Zeit hält nicht an, und ab 4 merkt man so richtig, was man da in die Welt gesetzt hat. Unsere Tochter war und ist ein Powerhouse. Ein Kraftwerk. Wenn es nicht anstrengend, nervenkribbelig, schwindelerregend hoch oder wässrig war, war sie nicht interessiert. Die Elemente wurden alle erprobt, je gefährlicher, desto lieber. Wer glaubt das Leben mit Kind würde langweilig, der MACHT es vielleicht langweilig oder kennt Eltern, die ihr Leben verlangweilen. Wir sind zwar nicht die 'Wir machen eine Weltreise mit 5 Kindern' - Typen, dazu lieben wir Internet & Café Latte zu sehr, ABER wir sind auf jedenfall aktive Eltern. Und da musste unsere Juniorin halt durch. Und was soll ich sagen: Sie hat alle Erwartungen übertroffen. Kinder können eben mehr, als man ihnen zutraut!







Die Zeit vergeht so schnell, das kapiert keiner, bis sie vorbei ist! Dass unsere Tochter jetzt schon 7.6 Jahre alt ist, kann ich irgendwie gar nicht glauben. Eben hat sie noch 'Furz' zu Fuchs gesagt und 'PiepPiep' zu allen Tieren, die sie süß fand, jetzt guckt sie mit uns abends 'große' Filme und kommentiert trocken aus der Ecke: "Na Papa, das würdest du auch gern können?" (Die Unglaublichen). Kinderzeit ist eine spannende und wunderschöne Ausnahme von der Regel, sie ist bunt und laut und herausfordernd und kuschelig und lustig und du wirst am Ende eines fast jeden Tages belohnt, für ihr bloßes Entstehen verantwortlich zu sein. JETZT geht unsere nicht mehr ganz Kleine in die 2. Klasse, möchte nicht mehr 'klein' genannt werden und schreibt uns eigene Nachrichten auf Zettel und klebt sie z.B. an den Kühlschrank, etwa "Bitte-nicht-meine-Jugoz-ezen-deine-Lili" (1. Klasse). Für mich schließt sich langsam der Kreis und ich werde schon jetzt wehmütig, weil ich mir einbilde zu wissen, was kommt. Als ich "Stiefmama" wurde, war mein Junge so alt, wie meine Tochter jetzt, und auch in der 2. Klasse. Nun ist er 18 und macht Abitur. Der Countdown läuft. ICH für meinen Teil werde jede Sekunde genießen, bis auch die Welt, die wir Eltern bieten, zu klein und zu eng wird und das letzte Kind im Bunde flügge wird. Das geht schneller, als man denkt. Allen Zögerlichen sei an dieser Stelle versprochen: Was man in Liebe wiegen kann, kann kein Gold der Welt bezahlen! In anderen Worten - 


Reichtum wirst du mit Geld (allein) nicht so anhäufen können, wie mit Kindern. 
Ehrlich.